Chronic Fatigue Immune Dysfunction Syndrome (CFIDS):
Ein Modell für den Paradigmawechsel in der Diagnose und
Therapie chronischer Erkrankungen.
Dr. Arnold Hilgers, European Institute of Molecular Medicine
(EURIMM), Düsseldorf, Germany
Für die
klassische Medizin liegt chronischen Erkrankungen entweder ein psychischer oder
organischer Ursprung zugrunde. Entsprechend den Symptomen sind für chronisch
erkrankte Patienten zumindest ein, wenn nicht sogar mehrere, Fachärzte
zuständig. Doch in vielen Fällen liegt die Ursache gar nicht im erkrankten
Organ selbst, sondern auf der molekulargenetischen Ebene. Derartige
Kommunikationsfehler führen zu einer Störung der Immunbalance mit den
unterschiedlichsten (chronischen) Beschwerdebildern.
Der
Therapieansatz der klassischen Medizin basiert auf der symptombezogenen
Behandlung, - für chronisch kranke Patienten bedeutet das in der Regel
lebenslange Therapie ohne Heilung. Zwanzig Prozent der Bevölkerung leiden an
Gesundheitsstörungen, für die Fachärzte trotz des medizinischen Fortschritts
keine organische Ursache finden. Für die Patienten beginnt eine belastende Arzt‑
und Krankenhausodyssee, oft verbunden mit dem Stigma der psychisch Kranken.
Seit 1984
haben wir das Immunsystem von über 10.000 chronisch Erkrankter (z. B. Autoimmunerkrankungen,
Colitis Ulcerosa, Morbus Crohn, Rheuma, Multiple Sklerose, Hashimoto, Basedow,
chronische Herz-, Gefäß- und Nervenerkrankungen, chronische
Atemwegserkrankungen, Fibromyalgie, CFIDS, Hyperkinetisches Syndrom,
Depressionen, Angst, Panikattacken etc.) unter dem neuen Paradigma der
gestörten Information systematisch untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass
in praktisch allen Fällen eine Störung der Immunbalance vorlag. Diese Störung
der Immunfunktion war fast immer mit Symptomen wie Erschöpfung,
Konzentrationsschwäche, Gedächtnisstörungen, Stimmungsschwankungen und
Depressionen assoziiert. Zur Abgrenzung der Hypothese der klassischen Medizin,
nach der es 30.000 Erkrankungen gibt, haben wir für Patienten ohne gesicherte
Organerkrankung folgenden Krankheitsbegriff gewählt: CFIDS (Chronic Fatigue
Immundysfunction Syndrom).
Um die
Ursache der Immundysfunktion herauszufinden, suchten wir (die
EURIMM-Wissenschaftler) mit neu entwickelten Tests zuerst nach infektiösen
Ursachen. Ab 1990 erweiterten wir mit neuer Technologie die Suche nach
Störfaktoren (Triggerfaktoren) auf Nahrungs‑, Umwelt‑ und
Innenraumfaktoren. Die Ergebnisse waren bedeutsam und im Hinblick auf die
Therapie‑Chancen revolutionär: Die Beseitigung der Triggerfaktoren führte
in vielen Fällen zur Selbstheilung des Immunsystems. Und noch mehr: Sobald die
gestörte Immunbalance wieder hergestellt war, besserten sich auch die
zahlreichen „organischen” und „psychischen” Beschwerden, die mit CFIDS
einhergeben.
Um
Patienten und Arzt einen sicheren Nachweis zu ermöglichen, ob die „psychischen”
und „organischen“ Gesundheitsstörungen möglicherweise eine gemeinsame Ursache
in der Störung der Immunbalance haben, entwickelte das EURIMM‑Team einen
standardisierten Fragebogen. Wir haben die weltweit bei chronisch Kranken
auftretenden Symptome mit Immunstörungen korreliert und zu einem Katalog mit 30
Kriterien zusammengefaßt. Die Symptome sowie die Häufigkeit ihres Auftretens
sind übrigens unabhängig von kulturellen oder geographischen Gegebenheiten.
Somit kann die Ursache der meisten chronischen Erkrankungen, ebenso wie die
mentalen Begleiterscheinungen, auf eine Störung des
Immunsystems
zurückgeführt werden ‑ ohne dass verschiedene Fachärzte aufgesucht bzw.
schädliche Therapieversuche begonnen werden müssten.
Aus diesen
Erkenntnissen folgt zwingend, dass eine „psychosomatische“ Erkrankung eine
fehlgeleitete molekulare Information des Immunsystems mit seinem bi‑direktionalen
Kommunikationsnetzwerk mit dem Gehirn und dem Neuroendokrinen System darstellt.
Dieses Modell erklärt auch, weshalb es kaum eine „somatische” Erkrankung ohne
mentale Komplikation gibt. Daher führt das neue Paradigma bei chronischen (auch
„psychischen”) Erkrankungen direkt zur Wiederherstellung der Immunbalance. Dies
geschieht auf der Basis der Beachtung der individuellen genetischen Ausstattung
(SNP), Elimination von Umwelt-Triggerfaktoren (Infektionen, Diät, Lebensstil)
und individuell angepasster Modulation der Immunfunktion mit natürlichen
Substanzen (z.B. T- und B-Zellprodukten, Antioxidantien, Mineralien,
Aminosäuren, Omega-3-Fettsäuren).
Im Ergebnis
haben diese Erkenntnisse zu einem vollkommen neuen Management von chronischen
Erkrankungen geführt. Erstmals ist es möglich, Krankheiten ursächlich,
individuell und auf molekularmedizinischer Grundlage zu behandeln. Wir haben
das Vorgehen standardisiert ‑ von den Symptomen über die Systemanalyse
zur individuellen Therapie ‑ und international publiziert.
Die Neue
Medizin basiert ausschließlich auf wissenschaftlich gesicherten Ergebnissen,
während es die klassische Medizin nur auf maximal 4% bringt. Auf Grund der
speziellen Situation in Deutschland haben wir diese bahnbrechende Methode in
eine internationale Arbeitsgruppe eingebracht, damit wenigstens andere
europäische Gesundheitssysteme davon profitieren können.
Buchtipps zu diesem Thema:
Kurt G.
Blüchel: „Heilen verboten ‑ töten erlaubt. Die organisierte Kriminalität
im Gesundheitswesen” aus dem C. Bertelsmann Verlag, außerdem das Standardwerk
der Neuen Medizin: Hilgers, Hoffmann: „Gesund oder krank ‑ Das
Immunsystem entscheidet”, Springer-Verlag.
CFIDS - A Model for a Paradigm-change in the Diagnosis and Therapy of Chronic Diseases (ppt, 100kB)